Trump / LePen

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Offline Matthias#28

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Trump / LePen
« am: 08. Februar 2017, 11:21:44 »
Was denkt ihr da drueber:

Angenommen Madame Le Pen gewinnt die Wahl, was dann? Sie sagt ganz klar, raus aus dem Schengen-Abkommen, raus aus der EU und somit wieder eine eigene Währung. Das hätte auch für Firmen mit vielen Grenzgängern große Auswirkungen. Alle Grenzgänger unterlägen dann einer Drittland-Regelung, wie das mit uns im Speziellen wäre (Deutscher, wohnhaft in einem Nicht-EU-Land, arbeitet in Deutschland) ist mir auch nicht ganz klar.


Dazu passt auch der Artikel:
http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-verwandelt-die-usa-in-eine-diktatur-kolumne-a-1132822.html
gruss Matthias

Re: Trump / LePen
« Antwort #1 am: 08. Februar 2017, 11:52:56 »
Hallo Matthias,

ich kann deine Sorge verstehen, jedoch macht es wenig Sinn sich darüber zu viele Gedanken zu machen.
Im Falle eines Austritts Frankreichs aus der EU+Austritt Euro (so wie es Frau Le Pen möchte) hat ganz Europa mit weitreichenden Folgen zu kämpfen. Wir sehen ja jetzt schon beim Brexit wie lange überhaupt die Einreichung des EU-Austritts dauert (die haben keinen Euro), danach wird nochmals 18 Monate verhandelt. Von daher kann man zu den Folgen noch keinerlei Aussagen treffen.
Ich kann dich dahingehend beruhigen, dass Le Pen anders als in vielen kleinen lokalen Printmedien dargestellt auf den Wahlsieg relativ geringe Chancen hat. Zwar wird sie den ersten Wahlgang wohl für sich entscheiden, in einer Stichwahl gegen Macron (neoliberal) 66 zu 34 und gegen Fillon (konservativ) 60 zu 40 laut aktuellen Umfragen unterliegen. Umfragen sind natürlich mit Vorsicht zu genießen, jedoch sollte man das bei aller "Panik" berücksichtigen.

Sollte es wirklich zu deiner Befürchtung kommen wird Europa im Kern getroffen und es wird nicht nur Folgen für das Verhältnis zwischen Frankreich-Deutschland haben sondern für die ganze EU. Durch lange Beschließungszeiten und Übergangsfristen (siehe aktuell Brexit) hätte jeder Bewohner auch noch Zeit genug persönliche Schritte einzuleiten was Wohnsitz und Arbeitgeber angeht einzuleiten.

Gruß

Manuel

ps: Frankreich und Italien können sich rein finanziell den Austritt aus der EU gar nicht leisten... Großbritannien kann sich auch schon mal auf eine schöne Nachzahlung an die EU freuen. Die werden sich noch schön die Augen reiben und irgendwann aufstehen und denken: Die EU war gar nicht so schlecht...

Offline Matthias#28

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Re: Trump / LePen
« Antwort #2 am: 08. Februar 2017, 12:08:51 »
Hast ja Recht, aber grueselig ist das ganze irgendwie schon.

Vielleicht habe ich ja auch zuviel Science-Fiction (bin mal ein HardCore Perry Rodan Fan gewesen) gelesen, den ich denke da an Weltregierung ohne Laenderregierungen, Weltweite Volksabstimmungen per Internet usw.
Das kleinkarriertes KleinKlein-Denken macht irgendwie kirre.
Ich schau mir immer wieder dieses Video an: https://www.youtube.com/watch?v=-iXOjiVOM9I
oder das: https://www.youtube.com/watch?v=RJfQ8-M2-j0
Je kleiner der Flickenteppich war um so mehr Kriege gab es.

Auch wenn es heute wahrscheinlich keine Bombenkriege in EU mehr gibt, aber Wirtschafts- und Cyberkriege (das ist u.a. mein Job - die CyberAbwehr) haben auch ihre Auswirkungen, die auch fuer die Buerger durchschlagen.
Und je Kleinstattiger man wird und je mehr Protectionismus aufkommt, wird dass zu nehmen.
gruss Matthias

Re: Trump / LePen
« Antwort #3 am: 08. Februar 2017, 18:40:15 »
Theoretisch ist es in der Tat sehr unwahrscheinlich, dass le Pen die zweite Runde gewinnt. Aber heute ist nichts mehr ausgeschlossen. Dass ein Trump gewinnt, galt nur wenige Monate vor der Wahl als sehr unwahrscheinlich und noch selbst am Tag der Wahl als eher unwahrscheinlich. Allerdings muss man auch sagen, dass es für Trump sehr knapp war. Durch das spezielle Wahlrecht in den USA bringen einem nur wenige Prozente mehr in den Swing States viel mehr als wenn man 10% in einem Nicht-Swing State dazu gewinnt. 10 Staaten mit 51% gewonnen könne mehr bringen als 5 Staaten mit 70%. In Summe hatte Clinton sogar etwas mehr Stimmen als Trump. In Frankreich ist das Wahlrecht da ganz klar, wehr mehr Stimmen hat in der zweiten Tour, hat gewonnen.

Die Gefahr besteht, dass die Wähler von links bis Mitte sich auf zu viele Kandidaten verzetteln und Macron nicht in die 2. Tour kommt. Wenn dann ein sehr geschwächter Fillon mit seinem radikalen Wirtschaftsprogramm, was vielen Franzosen Angst macht, gegen eine erstarkte le Pen antritt ... dann könnte sie gewinnen.

Was das für uns Grenzgänger in Frankreich bedeutet ist nicht absehbar. Der "neue" Front National unter le Pen ist in erster Linie gegen außereuropäische Einwanderer und gegen Ausländer die in Frankreich arbeiten wollen. Wer hier einfach nur lebt, konsumiert und Steuern zahlt, wird wahrscheinlich eher weniger Probleme haben. Solche Leute gab es auch schon vor der EU Personenfreizügigkeit in Frankreich. Allerdings würde bei einem EU Austritt sicher vieles neues auf uns zu kommen, da die gesamten Vereinbarungen bezüglich Sozialversicherung z.B. nicht mehr gelten würden. Diese müssten neu verhandelt werden. Allerdings ist es auch gerade im Interesse von Frankreich, dass das so bleibt wie es ist, da in erster Linie sehr viele Franzosen die in den Grenzregionen leben und in Luxemburg, Deutschland, Schweiz etc. arbeiten, davon betroffen sind. Alleine im Elsass pendelt jeder 12. Arbeitnehmer in die Schweiz oder nach Deutschland zum arbeiten. In der Region Frankreichs um den Genfer See herum sind es über 100´000 Franzosen, die in die Schweiz zum arbeiten pendeln. Zusammen also mehrere hundert tausende Franzosen zuzüglich ihrer Familien, die davon betroffen wären. Daher würde man sicher eine Einigung finden. Insgesamt sind es ca. 350´000 Franzosen, die in einem Nachbarland arbeiten, aber in F leben. Zuzüglich Familie, Kinder etc. a
http://www.lefigaro.fr/emploi/2015/02/13/09005-20150213ARTFIG00005-la-france-compte-de-plus-en-plus-de-travailleurs-frontaliers.php

Beispiel Schweiz: Kein EU Land, aber hat bilaterale Verträge bezüglich Arbeit, Sozialversicherung und Einwanderung mit den EU Ländern. Damit könnte man fehlendes EU Recht ersetzen. Das wäre natürlich ein Verhandlungsmarathon, aber dafür gibt es wohl auch eine Übergangsphase, wie bei Großbritanien zwei Jahre. Wünschen tue ich es für Frankreich und uns Grenzgänger allerdings nicht, dass es dazu kommt. Es würde für ganz Frankreich und die EU eine lange Phase der Unsicherheit werden.
« Letzte Änderung: 08. Februar 2017, 18:44:24 von Frontalier_CH »